Theo v. Brockhusen

Ansicht von Langen - 1. September 1905

Abbildung gemeinfrei

 

Theo v. Brockhusen

Theo (Theodor Adolf Hillmann) v. Brockhusen) wurde am 16. Juli 1882 in Marggrabowa (Ostpreußen) als jüngster Sohn des seinerzeitigen Kgl. Preuß. Amtsgerichtsrates zu Lyck/Ostpr. Theodor Otto Gustav Anton Heinrich Julius v. Brockhusen (geb. 23. Januar 1841 in Riebnitz, Kr. Cammin, verst. in Berlin Niederschönhausen am 26. 12. 1914) und dessen Ehefrau Magdalena, geb. Hillmann (geb. 31.1.1854 in Nordenthal/Ostpr., verst. 19.4.1889 in Marggrabowa) geboren. Diese war die Tochter des Gutspächters Adolph Hillmann (1815-1880) und dessen Ehefrau Lina, geb. v. Szcepanski (1814-1877).

Der Ehe seiner Eltern entstammen drei weitere Kinder:

  • Kgl. Preuß. Landrat Waldemar in Tarnowitz Theodor Adolf Hermann v. Brockhusen, geb. 20.8.1877 in Marggrabowa, verst. 15.5.1927 in Langendorf/Kr. Cammin, verh. am 14.8.1914 in Tarnowitz/Oberschlesien mit der am 5.10.1888 in Posen geborenen und am 3.8.1973 in Bonn verstorbenen Helena v. Zimmermann;
  • Margareta Lina Anna Maria Clara Magda Ilse v. Brockhusen, geb. 13.12.1878 in Marggrabowa, verh. am 4.3.1899 in Tilsit mit dem Gutsbesitzer Anton Braemer (geb. Doristhal 5.9.1867, verst. Nowischen /Kr. Pikallen am 18.5.1934);
  • Dipl. Ing. Hans Joachim Theodor Adolf v. Brockhusen, geb. 4.7.1880 in Marggrabowa, verst. 25.5.1933 in Kiel, verh. am 4.11.1913 in Kiel mit der am 10.3.1889 in Osnabrück geborenen Martha David. [1]

 

 

 

 

 

 

 

 

Ansicht von Margrobowa – Marktplatz mit Kirchberg, Rathaus, Kirche und zerstörter Mädchenschule

Abbildung gemeinfrei [2]

 

Theo v. Brockhusen heiratete am 15.6.1909 in Seelow, die am 5.12.1884 in Seelow geborene und am 1.5.1967 in Berlin verstorbene Hildegard Adelheid Bothe, Tochter des zu Lawaldau/Schlesien ansässigen Gutsbesitzers Carl Heinrich Bothe und dessen Ehefrau Auguste, geb. Kammler. Der Ehe entstammt die Tochter Sigwina v. Brockhusen (geb. 1915, verst. 1994), die sich am 1.4.1941 in Berlin mit August Frhr. v. Geyso (geb. 1896, verst. 1952) vermählte.

In den Jahren 1905-1909 hielt sich der Theo v. Brockhusen wiederholt in Langen auf, wo sein Vetter, der Kgl. Preuß. Hauptmann Eduard von Brockhusen (geb. 2.9.1869 in Neuruppin) lebte. Dieser hatte am 13.9.1867 in Langen Johanna Bothe geheiratet, die Schwester von Theo v. Brockhusens späterer Frau Hildegard. [3] Er war der Sohn des seinerzeitigen Rittergutsbesitzers und Premierleutnants Friedrich Wilhelm Hermann Carl v. Brockhusen, geb. in Groß Justin am 15.4.1842, verst. am 26.10.1870 im Lazarett Cony bei Metz und dessen Ehefrau (Heirat: 13.9.1867 in Neuruppin) [4] Bertha Auguste Elisabeth Marianne, geb. Brandt   [5], geb. 30.7.1848 in Langen, verst. in Langen 18.8.1913. [6]

In dieser Zeit entstanden einige eindrucksvolle Bilder von Langen, so auch das Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Gemälde „Ansicht von Langen“ mit der von August Stüler mit entworfenen Kirche von Langen im Hintergrund, das ebenfalls in dieser Zeit geschaffene Bild „Luchlandschaft“ [7] (Öl auf Leinwand, 64 x 86,5) oder das Gemälde „Gutshaus in Langen – Im Park“ (Öl auf Leinwand, 65 x 84 cm).

 

 

Theo v. Brockhusen

Dorfstraße – Langen

Öl auf Leinwand – zwischen 1905 und 1906 entstanden

Maße: 67 x 81 cm [8]

 

Als Cousine ersten Grades zum engsten Verwandtenkreis zählend, gehörte die in Neuruppin am 24.6.1868 geborene Malerin Marie v. Brockhusen. [9] Sie war eine „Schülerin von Th. Hummel (München) und W. Trübner (Karlsruhe), führte sich durch flott gemalte Interierus, Blumenstücke und Stillleben (z.B. 1907 ‚Der Glasschrank’) gut ein, die seit 1906 in den Münchener Glaspalast-Ausstellungen erschienen.“ [10]

„Brockhusen studierte von 1897/98 bis 1903 Malerei bei Max Schmidt, Ludwig Dettmann und Olof Jernberg (1855–1935) an der Kunstakademie in Königsberg. In Ostpreußen entstanden unter dem Einfluss von Dettmann erste Landschaftsbilder in freier Natur.“ [11] 1904 übersiedelte Brockhausen nach Berlin; hier erfuhr er recht früh künstlerische Anerkennung. „Sein Hauptgebiet ist die Landschaft als belebte Natur unter der wechselnden Wirkung der Sonne. Seine Arbeiten, die neben impressionistischen Tendenzen den Einfluß der energischen Linien- und Raumdispositionen van Goghs aufweisen, erregten seit 1906 auf den Ausstellungen der Berliner Sezession Aufmerksamkeit (...).“ [12] 1906 trat Brockhusen dann der Berliner Secession bei.

„Bis 1913 gehörte er dieser Künstlervereinigung an, 1912/13 als Mitglied des Vorstandes. Seinen regelmäßigen Ausstellungen in der Secession folgten weitere Präsentationen in Dresden, Düsseldorf, Bremen und Weimar. Der Kunsthändler Paul Cassirer arbeitete ab 1906 mit Brockhusen zusammen und unterstützte den meist mittellosen Künstler finanziell. Brockhusen übergab Cassirer nahezu seine gesamte Produktion, bis er 1915 den Vertrag mit dem Galeristen kündigte. 1906 reiste Brockhusen zu Studienaufenthalten nach Paris und London, sowie anschließend in den belgischen Badeort Knokke. Hierher kehrte er auch in den Jahren 1907 und 1908 zurück. 1909 besuchte er das Nordseebad Nieuwpoort. Von Max Liebermann beeinflusst, entstanden in dieser Zeit Gemälde mit Dünenlandschaften der belgischen und holländischen Küste und Motive des Strandlebens im Stil des Impressionismus. Zudem verbrachte er ab 1907 die Sommermonate jährlich in Baumgartenbrück am Schwielowsee. Die dort und später auch in Seelow entstandenen Landschaftsbilder variieren das Motiv der märkischen Landschaft im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten. Im Jahr der Heirat mit Hildegart Bothe, 1909, reiste Brockhusen erneut nach Paris. In der Folgezeit setzte er sich intensiv mit dem Werk von Vincent van Gogh auseinander. Hierbei übernahm er die leuchtenden Farben und die expressive Pinselführung des Niederländers und übertrug sie auf die eigenen, in der Mark Brandenburg entstandenen Gemälde. Anerkennung erhielt er 1910 durch die Verleihung des Kunstpreises der Stadt Berlin, 1912 gefolgt durch den Villa-Romana-Preis, der ihm 1913 einen sechsmonatigen Florenzaufenthalt ermöglichte. In dieser Zeit entstanden Landschaftsbilder mit religiösen Themen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Freien Secession, zu deren Vorstand er gehörte und der er 1918/19 als Präsident vorstand. Von 1914 bis 1918 gehörte er darüber hinaus dem Klein-Kurener Kreis in der Künstlerkolonie Nidden im heute litauischen Nida an. Neben Brockhusen zählten zu dieser Gruppe die Maler Waldemar Rösler, Artur Degner (1888–1972), Alfred Partikel (1888–1945) und Franz Domscheit, die während ihres Aufenthaltes an der Ostsee in der freien Natur Landschaftsgemälde schufen. Theo von Brockhusen starb am 20. April 1919 im Alter von 37 Jahren. Sein Grab befindet sich in der Abt. A, Fam.-St.46 auf dem Evangelischen Kirchhof Nikolassee in Berlin. Es war bis zum Jahr 2014 als Ehrengrab in Berlin gewidmet. Sein Grabmal mit einem Stelenstein mit weiblichem Akt schuf der Bildhauer Fritz Klimsch. Er hinterließ ein Gesamtwerk von etwa 200 Gemälden sowie einige Zeichnungen, Lithographien und Radierungen. Einige seiner Gemälde befinden sich in öffentlichen Sammlungen, wie der Stiftung Stadtmuseum Berlin, dem Sprengel Museum Hannover, der Kunsthalle Kiel und dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg.“ [13]

 

Weiterführende Literatur:

Leistner, Gerhardt, Theo von Brockhusen (1882-1919): Ein Maler zwischen Impressionismus und Expressionismus (Schriften des Museums Ostdeutsche Galerie in Regensburg), Regensburg 1999.

Zum Grabmal Brockhusens: Müller-Lauter, Erika: Grabmäler in Berlin IV. Die Friedhöfe im Bezirk Zehlendorf. Evangelischer Kirchhof Nikolassee, Berliner Forum 9/85 / Seite 130-132 sowie Henning, Eckart, Natzschka, Werner: Gräber bekannter Persönlichkeiten auf dem Evangelischen Kirchhof in Nikolassee, 2. Auflage Berlin 1997 / Seite 17.

(Dr. Martin Möllhoff-Mylius, Jan. 2018)

 

[1] Die genealogischen Angaben entstammen Genealog. Taschenbuch der Adeligen Häuser, Teil A, 31. Jg. 1932, der Familiendatenbank Groß Justin ( http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=gross_justin&ID=I820&nachname=BROCKHUSEN%2C+VON&lang=de -Zugriff: 13.11.2017), der Homepage des Familienverbandes v. Brockhusen - v. Brockhausen - v. Bruchhausen ( https://von-brockhusen-brockhausen-bruchhausen.de/index.php/1969 - Zugriff: 13.11.2017) sowie der Webseite von Peter Hennings ( https://gw.geneanet.org/pmlhennings lang=de&n=von brockhusen&p=margarethe+lina+anna+maria+klara+magda - Zugriff: 13.11.2017).

[2] Aus der Serie Ostpreußen während des Weltkrieges 1914/15 – nach Originalen von A. Kraska - Kriegshilfsverein Berlin für den Kreis Ortelsburg.

[3] Der Ehe entstammt Irmgard v. Brockhusen, geb. 23.2.1897 in Lawaldau, verh. Langen 12.8.1921 mit Günther v. Quast (geb. 12.8.1896 in Radensleben). Tochter aus dieser Ehe: Roswitha v. Quast, geb. 9.7.1922 in Langen, verh. Langen am 12.8.1921 mit Harald Frhr. v. Beust, geb. 22.7.1917 in Zwickau.  

[4]  KB Neuruppin Jg. 1867, S. 2 – Aufgebotene und Getraute im Jahre 1867. (Zweitschriften von Kirchenbüchern des Brandenburgischen Landeshauptarchivs).
 
[5] Tochter des seinerzeitigen Amtmannes zu Langen Hermann Karl Franz Brandt; siehe KB Neuruppin 1867 (Zweitschriften von Kirchenbüchern des Brandenburgischen Landeshauptarchivs).
 
[6] Kaestner & von Urach´s Genealogische Datenbank; hier: Eberhard v. Brockhusen, http://www.stammreihen.de/getperson.php?personID=I869902B&tree=tree1 - Zugriff: 13.11.2017
 
[8 Abbildung gemeinfrei – Aus Wikimedia Commons, dem freien Medienarchiv   https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theo_von_Brockhusen_Dorfstraße_(Langen).jpg?uselang=de-formalZugriff: 19.11.2017.

[9] Ältere Schwester des Eduard v. Brockhusen. Siehe hierzu: KB Ev. Kirche – Militärgemeinde Neuruppin 1868, S. 74 (Zweitschriften von Kirchenbücherndes Brandenburgischen Landeshauptarchivs): Marie Auguste  Bertha Sophie v. Brockhusen, geb. 24.6.1868 in Neuruppin, get. 30. Juli 1868 in Neuruppin. Tochter des Friedrich Wilhelm Hermann Karl v. Brockhusen und dessen Ehefrau Bertha Auguste Elisabeth Marianne, geb. Brandt.

[10] Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart: unter Mitwirkung von 300 Fachgelehrten des In- und Auslands. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker, V. Band, Leipzig 1911, S. 39.
 
[11] „Theo von Brockhusen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Oktober 2016, 06:10 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Theo_von_Brockhusen&oldid=159030136 (Abgerufen: 13. November 2017, 19:15 UTC).  

[12] M. Osborn (unter Mittlgn. des Künstlers) in: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart: unter Mitwirkung von 300 Fachgelehrten des In- und Auslands. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker, V. Band, Leipzig 1911, S. 40.

[13] „Theo von Brockhusen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Oktober 2016, 06:10 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Theo_von_Brockhusen&oldid=159030136 (Abgerufen: 13. November 2017, 19:15 UTC).